Ordnung halten mit ADHS: Minimalismus als Strategie

Veröffentlicht am: 01. Oktober 2025

Verfasst von

Laura Hallström, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie bei klaro ADHS

Laura Hallström

Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH
Laura Hallström ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie FMH und begleitet Patientinnen und Patienten in der ADHS-Therapie per Videosprechstunde.

Inhaltsverzeichnis

Ein Stapel Post, der nicht kleiner wird. Schlüssel, die immer woanders liegen. Eine Wohnung, die nach dem grossen Aufräumtag drei Tage später wieder aussieht wie vorher. Wenn Du ADHS hast, kennst Du das vielleicht. Mit Faulheit hat es nichts zu tun. Ordnung zu schaffen und zu halten verlangt Planen, Priorisieren, Anfangen und Dranbleiben, und genau das fällt bei ADHS oft schwerer. Dieser Ratgeber zeigt, warum das so ist und wie weniger Besitz, einfache Systeme und kleine Routinen helfen können.

Kurz erklärt: Ordnung fällt bei ADHS oft schwer, weil Planung, Organisation und Entscheidungen mehr Kraft kosten und herumliegende Dinge Aufmerksamkeit ziehen. Hilfreich sind in der Regel weniger Gegenstände, ein fester Platz für jede Sache, möglichst einfache und sichtbare Systeme und kleine Routinen, die an bestehende Gewohnheiten anknüpfen. Es gibt nicht das eine richtige System: Es muss zu Deinem Alltag passen.

Warum fällt Ordnung bei ADHS so schwer?

Weil Ordnung aus vielen kleinen Planungs- und Entscheidungsschritten besteht, die bei ADHS anstrengend sein können. Die Forschung beschreibt Schwierigkeiten mit exekutiven Funktionen, also damit, Handlungen zu planen, zu organisieren, in sinnvoller Reihenfolge auszuführen und abzuschliessen. In einer Studie mit jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) hatten Personen mit anhaltender ADHS deutliche Einschränkungen bei exekutiven Funktionen und im Alltag. Bei denen, deren ADHS sich zurückgebildet hatte, blieben Schwierigkeiten mit Planung und Organisation bestehen (Roselló et al., 2020). Das zeigt: Organisation ist ein Bereich, der oft länger Mühe macht, auch wenn andere Symptome nachlassen.

Dazu kommen weitere Faktoren, die Ordnung erschweren:

  • Viele Reize: Jede herumliegende Sache kann Aufmerksamkeit ziehen. Eine Meta-Analyse von 30 Studien fand bei ADHS häufiger auffällige Sinnesverarbeitung (Jurek et al., 2025). Wie stark sichtbares Durcheinander bei Dir konkret wirkt, ist individuell. Mehr dazu im Ratgeber zur Reizüberflutung bei ADHS.
  • Sprunghaftes Handeln: Beim Schreibtisch aufräumen fällt Dir der Geschirrspüler ein, dann der Brief, und plötzlich ist der ursprüngliche Plan vergessen.
  • Schwierigkeit beim Anfangen: Wo beginnen, wenn überall etwas liegt? Mehr dazu im Beitrag zu ADHS und Prokrastination.
  • Der Kreislauf: Kleine Unordnung wird gross, es entsteht Frust, Scham oder Rückzug, und der Wunsch, die Wohnung „einfach zu ignorieren“, wächst.

Der klassische „Aufräumtag“ kann kurzfristig helfen, hält aber oft nicht, wenn kein System und keine Gewohnheiten dahinterstehen. Das Ziel ist deshalb nicht ein perfektes Zuhause, sondern ein Alltag, der für Dein Gehirn funktioniert.

Hilft Minimalismus bei ADHS?

Für manche ja, weil weniger Dinge weniger Entscheidungen, weniger Suchen und weniger Aufwand bedeuten. Ehrlich gesagt: Dass Minimalismus bei ADHS wirkt, ist nicht durch Studien belegt. Es ist eine Strategie aus der Praxis, die vielen einleuchtet und manchen den Alltag erleichtert. Du musst dafür nicht radikal werden.

Ein minimalistischer Arbeitsplatz mit einer kleinen Zimmerpflanze auf einer schlichten Kommode.

Der Gedanke dahinter: Alles, was Du besitzt, fordert irgendwann Aufmerksamkeit. Es muss gelagert, gefunden, gereinigt oder entsorgt werden. Fragen wie „Wohin mit dem Ladegerät?“, „Behalte ich diese Tasse?“ oder „Brauche ich drei Paar Kopfhörer?“ kosten bei ADHS oft viel Energie. Wer nur noch besitzt, was er nutzt oder liebt, entlastet die Umgebung und den Kopf.

  • Klein anfangen: Beginne mit einer Schublade, nicht mit der ganzen Wohnung. Oder mit dem Ziel „jeden Tag ein Teil weniger“.
  • Raum für Raum: Eine langsame, bewusste Reduktion ist nachhaltiger als eine Radikalaktion, bei der Du 80 Prozent entsorgen willst.
  • Begrenzte Aussortier-Zeit: Manche Menschen erleben Phasen sehr intensiver Konzentration. Wenn Du solche Phasen kennst, kannst Du eine halbe Stunde konzentriert aussortieren, am besten mit Timer, damit es nicht überfordert.
  • Weniger Doppeltes: Zehn Ladekabel, sieben Trinkflaschen, 25 Kugelschreiber: Doppelte Dinge „für den Fall, dass“ führen meist zu mehr Unordnung, nicht zu mehr Sicherheit.

Wer weniger hat, braucht ausserdem weniger komplexe Ordnungssysteme. Ein Beispiel aus der Küche: Mit zwei Pfannen brauchst Du kein ausgeklügeltes Pfannenregal. Und wenn Du Deine Kleidung auf Lieblingsstücke reduzierst, fällt die Entscheidung am Morgen leichter.

Wie räumst Du auf, ohne Dich zu überfordern?

Indem Du das Aufräumen in kleine, klar begrenzte Etappen teilst. Wenn überall etwas liegt, ist das Schwierigste der Anfang. Ein Plan, der die Entscheidung abnimmt, hilft. Die folgenden Schritte sind ein Vorschlag aus der Praxis:

  1. Eine Zone wählen: eine Schublade, ein Regalbrett, die Küchenarbeitsfläche. Alles andere bleibt für heute, wie es ist.
  2. Timer stellen: zum Beispiel für 15 Minuten. Wenn er klingelt, darfst Du aufhören.
  3. Drei Kisten nutzen: „Bleibt hier“, „Geht weg“ (verschenken, entsorgen) und „Unsicher“. Die Unsicher-Kiste stellst Du für einige Wochen weg. Was Du in dieser Zeit nicht vermisst, kann gehen.
  4. Sofort wegbringen: Was weg soll, kommt direkt in den Abfall, zur Sammelstelle oder in eine Tasche an der Tür.
  5. Abschluss markieren: Hake die Zone auf einer Liste ab. Sichtbarer Fortschritt motiviert.

Du darfst Dir dabei Unterstützung holen. Manche Menschen räumen leichter, wenn eine vertraute Person anwesend ist, auch wenn sie nicht mithilft. Das wird oft „Body Doubling“ genannt. Eine belastbare Studie dazu haben wir nicht gefunden, viele Betroffene beschreiben es aber als hilfreich. Wichtig ist, dass Du Dich nicht für den Zustand schämen musst, in dem Du anfängst.

Wie findest Du ein Ordnungssystem, das zu Dir passt?

Indem Du Dein System an Deinem realen Alltag ausrichtest und nicht an Idealbildern. Viele Menschen mit ADHS haben erlebt, dass klassische Systeme nicht funktionieren: beschriftete Ordner, eine durchgetaktete Morgenroutine, ein minutiöser Haushaltsplan. Sie fühlen sich eher wie ein Korsett an.

Beginne mit der ehrlichen Frage: Wie ticke ich eigentlich?

  • Bist Du ein visueller Typ? Dann ist es keine gute Idee, alles in Schubladen zu verstecken. Offene Regale, transparente Boxen oder farbige Bereiche helfen eher. Für viele gilt: Aus den Augen, aus dem Sinn. Wichtiges und Häufiges sollte sichtbar oder leicht zugänglich sein. Das ist ein Erfahrungswert, keine belegte Regel.
  • Wo legst Du Dinge automatisch ab? Der Schlüssel gehört dorthin, wo Du ihn tatsächlich hinlegst, nicht dorthin, wo Du denkst, dass er liegen sollte. Wenn Du die Jacke nach der Arbeit immer über denselben Stuhl wirfst, hänge dort einen Haken auf, statt Dich täglich zu „disziplinieren“, die Garderobe im Flur zu benutzen.
  • Was hältst Du auch unter Druck durch? Je intuitiver ein System, desto eher besteht es, wenn Du gestresst oder abgelenkt bist.

Ob Symbole, Farben, Checklisten, Magnettafeln oder Körbe: Erlaube Dir, kreativ zu sein. Es gibt nicht das eine perfekte System, aber es gibt Deines.

Aus der Praxis

Häufig zeigt sich im Gespräch, dass sich Betroffene für ihre Unordnung schämen und deshalb lange nichts sagen. In der Sprechstunde fragen wir, wie sich das im Alltag auswirkt: bei Post, Rechnungen, Wohnung oder in Beziehungen.

Wichtig ist uns die Einordnung. Unordnung kann bei ADHS vorkommen, aber auch bei Depression, Erschöpfung oder anderen Erkrankungen, bei denen Antrieb und Planung leiden, und das lässt sich nur im Gespräch klären. Belastet Dich die Unordnung über Wochen stark oder ziehst Du Dich zurück, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Kleine, einfache Schritte sind ein guter Anfang, ersetzen sie aber nicht.

Warum sind einfache Ordnungssysteme besser?

Weil jedes zusätzliche Fach, jede Extra-Schublade und jede farbcodierte Ablage mehr Entscheidungen und mehr Möglichkeiten zum Scheitern bedeutet. Ein verbreitetes Missverständnis lautet, ein komplexes System sorge für mehr Struktur. Bei ADHS ist oft das Gegenteil der Fall: Je komplizierter es ist, desto eher wird es im Alltag nicht durchgehalten.

Hilfreich sind klare, auf einen Blick erfassbare Lösungen und das Prinzip „ein Platz für jede Sache“. Wenn Dinge einen festen, immer gleichen Ablageort haben, wird das Wiederfinden einfacher und Aufräumen weniger belastend.

Häufiges Problem Komplizierte Lösung Einfache Alternative
Post stapelt sich Mehrstufiges Ablagesystem mit acht Fächern Eine Ablage für Post, einmal pro Woche durchsehen
Schlüssel und Portemonnaie sind weg Vorsatz, die Garderobe konsequent zu benutzen Haken oder Schale dort, wo Du sie wirklich ablegst
Kleinteile verschwinden Viele kleine, geschlossene Schubladen Transparente Boxen oder offene Körbe mit Beschriftung
Küchenarbeitsfläche ist überfüllt Detaillierter Putzplan Jeden Abend Arbeitsfläche abräumen, weniger Geräte besitzen

Beschriftete Behälter („Posteingang“, „Stifte“, „Ladekabel“) können helfen, ohne dass Du Dich in Details verlierst. Auch bei Organisationstraining für Erwachsene mit ADHS steht das Üben einfacher Schritte im Vordergrund: In einer Studie mit 88 Erwachsenen sprachen nach einem zwölfwöchigen Gruppenprogramm zu Zeitmanagement und Organisation 42 Prozent auf die Behandlung an, in der Vergleichsgruppe 12 Prozent. Erfolgreiche Teilnehmende hatten ihre Hausaufgaben häufiger erledigt (Solanto et al., 2010). Das zeigt, dass sich Organisation üben lässt, auch wenn sie schwerfällt.

Wie gehst Du mit Papier und Post um?

Mit einem einzigen festen Ablageort und einem festen Termin zum Durchsehen. Papierkram ist für viele Menschen mit ADHS ein Dauerbrenner, weil Briefe, Rechnungen und Formulare Entscheidungen verlangen: bezahlen, antworten, aufbewahren oder wegwerfen. Je länger sie liegen, desto grösser wirkt der Stapel.

  • Eine Ablage für alles Eingehende: Post kommt immer in dieselbe Schale oder Box, nicht auf den Küchentisch, das Sofa und den Schreibtisch gleichzeitig.
  • Ein fester Termin: Einmal pro Woche, zum Beispiel am Sonntagabend, öffnest Du die Post. Stelle Dir dafür einen Alarm.
  • Drei Fächer: „Zahlen“, „Antworten“ und „Ablegen“. Was in keine Kategorie passt, kommt weg.
  • Digital erledigen, wo es geht: Rechnungen, die Du per E-Banking oder Dauerauftrag bezahlen kannst, brauchen keinen Platz auf dem Tisch.

Das ist ein praktischer Vorschlag ohne eigenen Wirksamkeitsnachweis. Wenn Rechnungen und Mahnungen bei Dir zu einem Dauerthema werden, findest Du im Beitrag zu ADHS und Finanzen weitere Ideen.

Wie etablierst Du Routinen, die bleiben?

Indem Du klein anfängst und Routinen an Dinge koppelst, die Du ohnehin tust. Ordnung entsteht nicht in einer einmaligen Aktion, sondern aus Gewohnheiten. Sie sparen tägliche Entscheidungen und damit mentale Energie.

Eine Hand mit Kugelschreiber ruht auf einem Kalender mit handschriftlichen Einträgen und einer gelb markierten Woche.

  • 5-Minuten-Regel: Bevor Du ins Bett gehst, bringst Du fünf Minuten lang herumliegende Dinge an ihren Platz. Oder: Nach dem Heimkommen die Jacke aufhängen und die Tasche an denselben Ort stellen.
  • Ankerhandlungen („Habit Stacking“): Verknüpfe eine neue Gewohnheit mit etwas, das Du sowieso tust. Wenn Du morgens Kaffee kochst, räume währenddessen die Spülmaschine aus. Beim Zähneputzen wischst Du kurz das Waschbecken. Das entspricht einem „Wenn-dann-Plan“. In einer Laborstudie mit Kindern mit ADHS verbesserten solche Pläne die Impulshemmung (Gawrilow & Gollwitzer, 2008). Ob sie bei Erwachsenen im Haushalt helfen, ist nicht belegt, aber einen Versuch wert.
  • Feste Wochentage: Statt „jeden Tag die Wohnung saugen“ reicht anfangs „Montag Bad, Donnerstag Wohnzimmer“. Jeden Abend die Arbeitsfläche abräumen, jeden Freitag aussortieren, die Post in eine Ablage, die Du am Sonntag durchsiehst.
  • Einfach halten: Je komplizierter die Regel, desto schneller fällt sie weg.
  • Erinnerungen sichtbar machen: Ein Whiteboard mit Deinen drei wichtigsten Routinen oder eine freundliche App-Erinnerung, ohne Druck.

Routinen brauchen Zeit, um sich zu festigen. Dass sie anfangs holprig laufen, ist normal. Wichtig ist, ohne Perfektionsanspruch dranzubleiben und auch mal einen Tag auszulassen, ohne das ganze System in Frage zu stellen. Wenn Du merkst, dass Zeit und Planung Dir allgemein schwerfallen, helfen Dir auch die Strategien im Beitrag zum Zeitmanagement bei ADHS.

Wie helfen visuelle Hilfen?

Sie machen Aufgaben und Fortschritt sichtbar, was viele Menschen mit ADHS als entlastend erleben. Wenn Du eher visuell orientiert bist, kannst Du das nutzen:

Eine sauber strukturierte Pinnwand mit wenigen, gezielt platzierten Notizen.

  • Whiteboard in der Küche mit Icons, Farben oder Magneten statt einer langen To-Do-Liste im Handy. So siehst Du, was zu tun ist und wie weit Du schon bist.
  • Farbcodes: Roter Ordner für Finanzen, blauer Ordner für das Studium, grüner für Versicherungen.
  • Offene Regale oder durchsichtige Kisten statt Schubladen und Schränken, in denen Dinge vergessen werden. Wenn Du siehst, was Du hast, vermeidest Du auch unnötige Doppelkäufe.

Visuelle Hilfen sind keine kindliche Spielerei, sondern eine praktische Entlastung. Sie machen Unsichtbares sichtbar. Eine Studie, die ihre Wirksamkeit bei ADHS belegt, haben wir nicht gefunden. Als Hilfe im Alltag sind sie trotzdem einen Versuch wert.

Wann steckt mehr dahinter als Unordnung?

Wenn Du trotz kleiner, einfacher Schritte langfristig den Überblick verlierst, sich Rechnungen, Post oder Wohnung so stauen, dass es Dich stark belastet, oder wenn Du Dich schämst und zurückziehst, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll. Unordnung kann bei ADHS vorkommen, aber auch bei Depression, Erschöpfung oder anderen Erkrankungen, bei denen Antrieb und Planung leiden. Eine Fachperson kann das auseinanderhalten. Wenn Du Dich fragst, ob ADHS dahinterstecken könnte, hilft Dir der Beitrag ADHS-Verdacht: erste Schritte zur Abklärung.

Bei Suizidgedanken oder in einer akuten Krise brauchst Du sofort Hilfe: Wende Dich an Deine Hausärztin oder Deinen Hausarzt, rufe den Rettungsdienst unter 144 an oder wähle rund um die Uhr die 143 der Dargebotenen Hand.

Häufige Fragen zu ADHS und Ordnung

Warum wird meine Wohnung trotz Aufräumen immer wieder unordentlich?

Meist fehlt ein Ablageort für jede Sache und eine kleine, regelmässige Routine, die die Ordnung erhält. Ein grosser Aufräumtag ohne System hält oft nur wenige Tage. Hilfreicher sind feste Plätze, weniger Gegenstände und fünf Minuten Aufräumen pro Tag. Bei ADHS fällt Organisation oft schwer, auch das ist Teil des Musters.

Muss ich Minimalist werden, um Ordnung zu halten?

Nein. Minimalismus ist keine belegte Therapie bei ADHS, sondern eine Strategie, die manchen hilft. Schon etwas weniger Gegenstände, vor allem Doppeltes und Ungenutztes, kann den Alltag vereinfachen. Du entscheidest, wie viel Reduktion sich für Dich gut anfühlt, zum Beispiel Schritt für Schritt, Raum für Raum.

Sollte ich alles verstecken oder sichtbar lassen?

Das hängt von Dir ab. Viele Menschen mit ADHS vergessen Dinge, die nicht sichtbar sind, und fahren mit offenen Regalen oder transparenten Boxen besser. Für andere ist sichtbares Durcheinander ein Reiz, der stört. Teste beides. Wichtig ist, dass jede Sache einen festen Platz hat, den Du ohne langes Nachdenken findest.

Wann sollte ich ärztliche Hilfe suchen?

Wenn Unordnung Dich über Wochen stark belastet, Beziehung, Arbeit oder Gesundheit beeinträchtigt oder Du Dich zurückziehst. Dann lohnt es sich, mit der Hausärztin oder einer Fachperson zu sprechen. Sie kann klären, ob ADHS, eine Depression, Erschöpfung oder etwas anderes eine Rolle spielt, und passende Unterstützung vorschlagen. Bei bestätigter ADHS kann auch Therapie helfen: Eine Meta-Analyse von neun Studien fand, dass kognitive Verhaltenstherapie bei Erwachsenen besser wirkte als eine Warteliste, gegenüber aktiven Vergleichsbehandlungen war der Vorteil kleiner (Young et al., 2020).

Wie halte ich Ordnung, wenn ich mit anderen zusammenwohne?

Sprich offen darüber, was Dir schwerfällt und was Dir helfen würde. Vereinbart klare, einfache Zuständigkeiten, zum Beispiel feste Wochentage für bestimmte Aufgaben oder gemeinsame Ablageorte für Schlüssel und Post. Vorwürfe verstärken oft Scham und Rückzug. Konkrete Absprachen und sichtbare Pläne, etwa ein Whiteboard in der Küche, geben allen Orientierung und nehmen Druck aus dem Alltag.

Fazit: Ordnung ist ein Prozess, kein Ziel

Mit ADHS wirst Du vermutlich nie „perfekt“ ordentlich sein, und das ist in Ordnung. Es geht nicht um ein Zuhause wie aus dem Katalog, sondern um eine Umgebung, die Dich unterstützt: mit weniger Dingen, festen Plätzen, einfachen Systemen und kleinen Routinen. Fang klein an und bleib dran. Wenn Du Dich fragst, ob hinter Deinen Schwierigkeiten ADHS stecken könnte, ist das kostenlose Erstgespräch mit unserem Beratungsteam ein erster Schritt. Mehr dazu findest Du bei der ADHS-Abklärung und zur ADHS-Therapie.

Quellen

  • Roselló, B., Berenguer, C., Baixauli, I., Mira, Á., Martinez-Raga, J. & Miranda, A. (2020). Empirical examination of executive functioning, ADHD associated behaviors, and functional impairments in adults with persistent ADHD, remittent ADHD, and without ADHD. BMC Psychiatry. link.springer.com
  • Jurek, L. et al. (2025). Sensory processing in individuals with attention-deficit/hyperactivity disorder compared with control populations: a systematic review and meta-analysis. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry. sciencedirect.com
  • Solanto, M. V. et al. (2010). Efficacy of meta-cognitive therapy for adult ADHD. American Journal of Psychiatry, 167(8), 958-968. psychiatryonline.org
  • Young, Z., Moghaddam, N. & Tickle, A. (2020). The efficacy of cognitive behavioral therapy for adults with ADHD: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of Attention Disorders, 24(6). journals.sagepub.com
  • Gawrilow, C. & Gollwitzer, P. M. (2008). Implementation intentions facilitate response inhibition in children with ADHD. Cognitive Therapy and Research, 32(2). link.springer.com

Medizinisch geprüft von

Barbara Siskovičová, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie bei klaro-ADHS, Porträt aus der Praxis im Greencity Zürich

Barbara Siskovičová

Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie
Barbara Siskovičová ist Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, spezialisiert auf die Abklärung und Behandlung von ADHS und Autismus-Spektrum-Störungen. Sie prüft die medizinischen Inhalte auf klaro-adhs.ch.

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