Coaching, psychologische Beratung, Psychotherapie: Die Begriffe klingen ähnlich, meinen aber ganz Unterschiedliches. Wenn Du Unterstützung suchst, hilft es, den Unterschied zu kennen. So findest Du das Angebot, das zu Deiner Situation passt, und weisst, wer die Kosten trägt.
Kurz erklärt: Coaching unterstützt Dich dabei, Ziele im Alltag oder Beruf zu erreichen, ohne eine Erkrankung zu behandeln. Psychologische Beratung hilft Dir in belastenden Lebenssituationen, ohne dass eine behandlungsbedürftige Störung vorliegt. Psychotherapie behandelt psychische Erkrankungen und ist in der Schweiz gesetzlich geregelt (Titel, Bewilligung). Sie kann bei ärztlicher Anordnung über die Grundversicherung abgerechnet werden, Coaching und Beratung zahlst Du in der Regel selbst.
Was unterscheidet Coaching, Beratung und Psychotherapie auf einen Blick?
Die drei Angebote unterscheiden sich vor allem darin, ob eine Erkrankung behandelt wird, wie die Qualifikation geregelt ist und wer zahlt. Die Übersicht zeigt die wichtigsten Punkte. Im Einzelfall sind die Übergänge fliessend.
| Coaching | Psychologische Beratung | Psychotherapie | |
|---|---|---|---|
| Ziel | Ziele erreichen, Fähigkeiten und Selbstorganisation stärken | Orientierung und Entlastung in einer belastenden Phase | Psychische Erkrankungen behandeln, Beschwerden lindern |
| Für wen | Menschen, die sich persönlich oder beruflich weiterentwickeln wollen | Menschen in Krisen, Übergängen oder Konflikten ohne Behandlungsbedarf | Menschen mit Leidensdruck und Krankheitswert, zum Beispiel bei Depression, Angst oder ADHS |
| Qualifikation | Je nach Anbieter sehr unterschiedlich, genau nachfragen | Je nach Anbieter unterschiedlich, genau nachfragen | Geschützter Titel «eidgenössisch anerkannte/r Psychotherapeut/in», kantonale Bewilligung, öffentliches Register PsyReg |
| Kosten | In der Regel selbst bezahlt | In der Regel selbst bezahlt | Bei ärztlicher Anordnung und Zulassung über die Grundversicherung, mit Franchise und Selbstbehalt |
Für wen eignet sich Coaching?
Coaching passt, wenn Du an konkreten Zielen arbeiten willst und keine Erkrankung im Vordergrund steht. Im Mittelpunkt stehen das Hier und Jetzt und die nächsten Schritte. Typische Themen sind:

- Karriere, Jobwechsel oder Selbstständigkeit
- Entscheidungen und Prioritäten
- Selbstorganisation, Zeitmanagement, Routinen
- Führung und Zusammenarbeit
Ein typisches Beispiel: Du möchtest Deinen Arbeitsalltag so organisieren, dass Termine und Aufgaben zuverlässig im Blick bleiben, und suchst dafür einen Rahmen mit klaren Zielen und Zwischenschritten.
Auch bei ADHS wird Coaching erforscht. Eine beschreibende Übersichtsarbeit zu ADHS-Coaching (19 Studien, davon 10 mit Studierenden) berichtet Verbesserungen bei ADHS-Symptomen und Exekutivfunktionen. Weil es sich um eine beschreibende Übersicht handelt und viele Studien Studierende betrafen, lässt sich daraus nicht ableiten, dass Coaching eine Therapie ersetzt. Coaching kann ergänzen, etwa im Alltag. Mehr dazu liest Du im Artikel Coaching bei ADHS.
Wann ist psychologische Beratung sinnvoll?
Beratung hilft, wenn Du in einer belastenden Lebensphase steckst und Orientierung oder ein neutrales Gegenüber brauchst, aber nicht krank bist. Sie ist meist kürzer und auf ein konkretes Anliegen fokussiert. Typische Anlässe sind:

- Trennung, Verlust oder Kündigung
- wiederkehrende Konflikte in Partnerschaft, Familie oder Team
- Übergangsphasen wie Elternschaft, Umzug oder Neuorientierung
- das Bedürfnis, Gedanken zu sortieren, bevor Du eine Entscheidung triffst
Ein typisches Beispiel: Nach einer Kündigung fühlst Du Dich orientierungslos und möchtest mit jemandem sortieren, wie es weitergehen kann.
Beratung kann ein niederschwelliger erster Schritt sein. Wenn Deine Beschwerden aber über Wochen anhalten oder Deinen Alltag stark einschränken, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoller als weitere Beratung.
Wann braucht es Psychotherapie?
Psychotherapie ist angezeigt, wenn Dein Leiden deutlich ausgeprägt ist, über längere Zeit anhält und Dein Alltag, Deine Arbeit oder Deine Beziehungen darunter leiden. Sie behandelt psychische Erkrankungen mit wissenschaftlich begründeten Verfahren. Das können zum Beispiel sein:

- anhaltende Niedergeschlagenheit, Ängste oder Panikattacken
- Folgen belastender oder traumatischer Erfahrungen
- körperliche Beschwerden, für die sich keine ausreichende körperliche Ursache findet
- Symptome, die an ADHS denken lassen, und der Wunsch nach einer Abklärung
Ein typisches Beispiel: Seit Monaten kommst Du kaum noch in Schwung, Dein Schlaf ist gestört und Du ziehst Dich zurück. Das ist ein Fall für eine ärztliche Abklärung und, wenn sie es empfiehlt, für Psychotherapie.
Bei ADHS ist die Abklärung ein medizinischer Vorgang. Für Erwachsene mit ADHS ist die kognitive Verhaltenstherapie gut untersucht: Eine Meta-Analyse von randomisierten Studien fand eine bessere Wirkung als bei Wartelisten und einen kleinen bis moderaten Vorteil gegenüber aktiven Vergleichsbehandlungen. Wer Abklärungen durchführen darf, steht im Artikel Wer darf ADHS in der Schweiz diagnostizieren?. Welche Verfahren in der Schweiz gebräuchlich sind, erklärt Anerkannte Therapieformen in der Schweiz.
Aus der Praxis
In der Sprechstunde fragen wir zuerst, was Dich belastet und wie stark es Deinen Alltag, Deine Arbeit und Deine Beziehungen einschränkt. Häufig zeigt sich im Gespräch, dass Menschen Coaching suchen, obwohl dahinter Beschwerden stehen, die ärztlich abgeklärt werden sollten, etwa Konzentrationsprobleme, Niedergeschlagenheit oder Ängste. Umgekehrt ist nicht jede belastende Lebensphase eine Erkrankung.
Wichtig ist uns, dass Du das passende Angebot findest und nicht zu lange wartest, weil Du unsicher bist oder an die Kosten denkst. Halten Beschwerden über Wochen an oder schränken sie Dich deutlich ein, ist die ärztliche Abklärung der sinnvollere Schritt. Coaching kann eine Behandlung ergänzen, ersetzt sie aber nicht.
Woran erkennst Du seriöse Fachpersonen?
Bei Psychotherapie kannst Du Titel und Bewilligung prüfen, bei Coaching und Beratung lohnt sich genaues Nachfragen. Nach dem Psychologieberufegesetz (PsyG) ist der Titel «eidgenössisch anerkannte/r Psychotherapeut/in» an eine anerkannte Weiterbildung geknüpft. Das Register PsyReg listet die Titelträgerinnen und Titelträger öffentlich. Wer eigenverantwortlich arbeitet, braucht laut BAG eine kantonale Bewilligung.
Für Coaching und Beratung kennen wir keine vergleichbare gesetzliche Regelung. Du kannst Dich deshalb an diesen Fragen orientieren:
- Welche Ausbildung hat die Person, und wie lange dauerte sie?
- Hat sie Erfahrung mit Deinem Anliegen, zum Beispiel mit ADHS?
- Wird offen gesagt, wo das Angebot endet? Seriöse Anbieter verweisen für Diagnosen und die Behandlung von Erkrankungen an ärztliche oder psychotherapeutische Fachpersonen.
- Sind Honorar, Dauer und Absagebedingungen vorab klar?
Wer zahlt welches Angebot?
Psychotherapie kann über die Grundversicherung laufen, Coaching und Beratung zahlst Du in der Regel selbst. Voraussetzung für die Grundversicherung ist eine ärztliche Anordnung und eine zugelassene Therapeutin oder ein zugelassener Therapeut. Eine Anordnung deckt höchstens 15 Sitzungen ab, mit einer zweiten sind es bis zu 30, danach braucht es eine Kostengutsprache. Die Details stehen im Artikel Überweisung zur Psychotherapie, den Gesamtüberblick findest Du unter OKP-Abrechnung bei ADHS und Psychotherapie in der Schweiz: Was wird bezahlt?.
Wenn Du Coaching, Beratung oder Psychotherapie ohne Anordnung selbst bezahlst, hilft der Artikel Was kostet private Psychotherapie?. Und wenn die Suche nach einem Platz länger dauert: Wie schnell bekomme ich einen Therapieplatz?.
Wann solltest Du Dich ärztlich abklären lassen?
Such ärztliche Hilfe, wenn Deine Beschwerden über Wochen anhalten, Dein Schlaf, Deine Arbeit oder Deine Beziehungen leiden oder Du Dich allein nicht mehr zurechtfindest. Coaching oder Beratung ersetzen diese Abklärung nicht. Bei akuten Krisen oder Gedanken, Dir etwas anzutun, wähle die Notrufnummer 144 (Rettung) oder die 143 der Dargebotenen Hand, oder wende Dich an Deine Hausärztin, Deinen Hausarzt oder den ärztlichen Notfall.
Häufige Fragen zu Coaching, Beratung und Therapie
Kann ein Coach ADHS diagnostizieren?
Nein, die Diagnose gehört in ärztliche oder psychotherapeutische Hände. Eine ADHS-Abklärung ist ein medizinischer Vorgang mit Gespräch, Fragebögen und dem Ausschluss anderer Ursachen. Ein Coach kann Dich im Alltag unterstützen, aber keine Diagnose stellen.
Zahlt die Krankenkasse Coaching?
In der Regel nein. Die Grundversicherung übernimmt ärztliche Behandlungen und eine ärztlich angeordnete Psychotherapie, Coaching zählt nicht dazu. Ob eine Zusatzversicherung etwas beiträgt, hängt vom Vertrag ab. Frag vorab bei Deiner Versicherung nach, bevor Du Dich auf eine Erstattung verlässt.
Reicht Beratung, oder brauche ich Therapie?
Das hängt davon ab, ob Deine Beschwerden Krankheitswert haben. Beratung hilft bei belastenden Situationen, Psychotherapie behandelt Erkrankungen. Halten Deine Beschwerden an, nehmen sie zu oder schränken sie Deinen Alltag stark ein, lass sie ärztlich abklären. Das geht auch, wenn Du schon in Beratung bist.
Kann ich mit Coaching beginnen und später zur Therapie wechseln?
Ja, das ist möglich. Viele Menschen starten mit einem niederschwelligen Angebot. Wenn sich zeigt, dass mehr dahintersteckt, kannst Du jederzeit ärztliche Hilfe suchen. Für eine Therapie über die Grundversicherung brauchst Du dann die ärztliche Anordnung.
Fazit: Das passende Angebot beginnt mit der richtigen Einordnung
Coaching, Beratung und Psychotherapie haben ihren Platz, sie lösen aber unterschiedliche Aufgaben. Wenn Du unsicher bist, wo Du stehst, kann ein Gespräch helfen. Bei klaroADHS (Zürich, Biel und online) bietet das Beratungsteam ein kostenloses Erstgespräch an, in dem Du Deine Fragen einordnen kannst. Mehr zur ADHS-Abklärung und zur ADHS-Therapie findest Du auf unserer Website.
Quellen
- Bundesamt für Gesundheit BAG (abgerufen am 01.10.2026). Häufige Fragen (FAQ) zum Psychologieberufegesetz (PsyG). bag.admin.ch
- Bundesamt für Gesundheit BAG (abgerufen am 01.10.2026). Das Psychologieberufegesetz (PsyG). bag.admin.ch
- Bundesamt für Gesundheit BAG (abgerufen am 01.10.2026). Neuregelung der psychologischen Psychotherapie ab 1. Juli 2022. bag.admin.ch
- Schweizerische Ärztezeitung (2022). Vom Delegations- zum Anordnungsmodell. saez.ch
- Ahmann, E., Tuttle, L. J., Saviet, M. & Wright, S. D. (2018). A descriptive review of ADHD coaching research: implications for college students. Journal of Postsecondary Education and Disability, 31(1). ERIC
- Young, Z., Moghaddam, N. & Tickle, A. (2020). The efficacy of cognitive behavioral therapy for adults with ADHD: a systematic review and meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of Attention Disorders. journals.sagepub.com