Neurofeedback klingt nach moderner Technik ohne Medikamente und wird in der Schweiz von verschiedenen Praxen angeboten. Damit Du eine fundierte Entscheidung treffen kannst, zeigen wir Dir, wie Neurofeedback funktioniert, was grosse Auswertungen der Studien und die Leitlinien sagen und worauf Du achten kannst. Einen Überblick über weitere Möglichkeiten bietet der Beitrag zu den ADHS-Therapieformen.
Kurz erklärt: Neurofeedback ist ein Training, bei dem Deine Hirnaktivität (EEG) gemessen und in Echtzeit zurückgemeldet wird, damit Du sie beeinflussen lernst. Bei ADHS ist die Wirkung umstritten: Eine grosse Meta-Analyse fand 2025 kaum einen Nutzen, wenn die Symptome von Personen beurteilt wurden, die nicht wussten, wer trainiert hatte. Auch in Studien mit Scheintraining besserten sich beide Gruppen ähnlich. Neurofeedback gilt deshalb nicht als etablierte Standardbehandlung und ersetzt weder Psychotherapie noch Medikamente. Die deutsche Leitlinie von 2026 lässt es lediglich als ergänzende Option offen.
Was ist Neurofeedback und wie läuft eine Sitzung ab?

Neurofeedback ist ein computergestütztes Training, bei dem die elektrische Aktivität des Gehirns über Elektroden auf der Kopfhaut gemessen und auf einem Bildschirm sichtbar gemacht wird. Die Idee: Du lernst, bestimmte Aktivitätsmuster zu verändern, und bekommst sofort eine Rückmeldung. Das kann zum Beispiel ein Film sein, der nur flüssig weiterläuft, wenn die Aktivität im gewünschten Bereich liegt.
Eine Behandlung besteht aus vielen einzelnen Trainingssitzungen. Zu Beginn stehen meist ein Gespräch über Deine Beschwerden und eine Zielvereinbarung. Der Begriff Neurofeedback ist nicht einheitlich definiert, und es gibt unterschiedliche Trainingsprotokolle. Das macht Studien schwer vergleichbar. Dieser Beitrag bezieht sich auf EEG-Neurofeedback, das am besten untersucht ist. Verfahren mit anderen Messmethoden, etwa Nahinfrarot-Spektroskopie oder funktioneller Magnetresonanztomographie, und Trainings mit Heimgeräten sind laut der deutschen Leitlinie noch zu wenig untersucht, um eine Empfehlung abzuleiten.
Was sagen Studien zur Wirkung bei ADHS?
Die Studienlage ist uneinheitlich, und die strengsten Auswertungen fallen zurückhaltend aus. Wichtig ist dabei die Art der Bewertung: Wenn Eltern oder Betroffene wissen, dass trainiert wurde, fällt die Einschätzung oft besser aus als bei Personen, die nicht wissen, wer trainiert hat (verblindete Bewertung). Ebenso wichtig ist die Art der Kontrollgruppe: Wer nur mit einer Warteliste verglichen wird, kann Erwartungseffekte nicht von der eigentlichen Wirkung trennen. Studien mit Scheintraining (Sham) können das. Die wichtigsten Arbeiten im Überblick, getrennt nach Altersgruppen:
| Studie | Was wurde ausgewertet? | Ergebnis |
|---|---|---|
| Westwood et al., 2025 (JAMA Psychiatry) | Alle Altersgruppen: 38 randomisierte Studien, 2472 Teilnehmende im Alter von 5 bis 40 Jahren | Bei wahrscheinlich verblindeter Bewertung kein bedeutsamer Effekt auf die ADHS-Symptome (SMD 0.04). Bei Studien mit etablierten Protokollen eine kleine Verbesserung (SMD 0.21). Die Ergebnisse blieben ähnlich, wenn Erwachsene ausgeschlossen wurden. Die Autoren sehen auf Gruppenebene keinen bedeutsamen Nutzen |
| Cortese et al., 2016 (JAACAP) | Kinder und Jugendliche: 13 randomisierte Studien, 520 Teilnehmende | Kleine Effekte nur bei der Bewertung durch Personen nahe am Behandlungsgeschehen (am wenigsten verblindet). Bei wahrscheinlich verblindeter Bewertung und bei Studien mit aktiven Kontrollen oder Scheintraining keine signifikanten Effekte |
| Neurofeedback Collaborative Group, 2021 (JAACAP) | Kinder: doppelblinde Studie mit 144 Kindern (7 bis 10 Jahre), Theta-Beta-Training gegenüber einem Scheintraining gleicher Dauer und gleichen Aussehens | Beide Gruppen verbesserten sich deutlich. Neurofeedback war dem Scheintraining weder nach der Behandlung noch nach 13 Monaten überlegen (Ansprechen 61 Prozent gegenüber 54 Prozent). Als Nebenbefund brauchte die Neurofeedback-Gruppe beim Follow-up weniger Medikation |
| Wang et al., 2026 (Journal of Child Psychology and Psychiatry) | Kinder: doppelblinde Studie mit 48 Kindern (6 bis 12 Jahre), individuell angepasstes Training gegenüber Scheinrückmeldung, nur acht Sitzungen | Beide Gruppen verbesserten sich deutlich, ohne Unterschied zwischen den Gruppen, auch nach sechs Monaten nicht. Die Autoren vermuten unspezifische Trainingseffekte und halten Neurofeedback allein für möglicherweise keine ausreichende Behandlung. Kleine Studie |
| Van Doren et al., 2019 (European Child and Adolescent Psychiatry) | Kinder: 10 randomisierte Studien mit Nachbeobachtung von 2 bis 12 Monaten, Auswertung der Elternbeurteilung | Überlegen gegenüber nicht aktiven Kontrollgruppen (ohne Scheintraining), Effekte blieben im Verlauf bestehen. Elternurteile sind nicht verblindet. Gegenüber aktiven Behandlungen (vor allem Methylphenidat) schnitt Neurofeedback bei der Unaufmerksamkeit unmittelbar nach der Behandlung schlechter ab |
| Zhong et al., 2025 (Scientific Reports) | Kinder und Jugendliche: 17 randomisierte Studien, 939 Teilnehmende (6 bis 17 Jahre), Auswertung von Tests zu Exekutivfunktionen | Verbesserungen bei Hemmungskontrolle und Arbeitsgedächtnis, vor allem bei Trainings über 1260 Minuten. Nur 5 der 17 Studien hatten verblindete Beurteilende, bei den langen Trainings gab es Hinweise auf Publikationsverzerrung. Die Autoren sehen Neurofeedback als Ergänzung, nicht als alleinige Behandlung |
| Fan et al., 2022 (Scientific Reports) | Jugendliche und Erwachsene: 5 randomisierte Studien, 279 Teilnehmende (6 bis 60 Jahre, im Mittel 23.5 Jahre), Auswertung der Selbstbeurteilung | Insgesamt kein Unterschied zu den Vergleichsgruppen. Gegenüber Warteliste oder üblicher Behandlung etwas weniger Unaufmerksamkeit (SMD 0.48 zugunsten von Neurofeedback), nicht aber bei Hyperaktivität und Impulsivität. Kein Unterschied bei der Nachbeobachtung nach 6 bis 12 Monaten |
| Rotkiewicz et al., 2026 (Journal of Neurodevelopmental Disorders) | Erwachsene: systematische Übersicht mit 7 Studien (3 randomisiert, 4 nicht randomisiert), 390 Teilnehmende | Nicht randomisierte und personalisierte Studien berichteten grosse Besserungen, die randomisierten Studien nur kleine, meist nicht signifikante Effekte gegenüber den Kontrollen. Kein Wirksamkeitsnachweis gegenüber Placebo. Keine behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse berichtet |
Auch eine ältere Übersicht zu nicht-medikamentösen Verfahren (Sonuga-Barke et al., 2013) kam zu diesem Muster: Für Neurofeedback zeigten sich Vorteile bei nicht verblindeter Bewertung, die unter verblindeten Bedingungen verschwanden. Dass sich positive und zurückhaltende Auswertungen gegenüberstehen, liegt auch daran, welche Studien eingeschlossen und wie die Kontrollgruppen gestaltet wurden.
Kinder und Jugendliche: Hier gibt es die meisten Studien. Gegenüber Wartelisten oder Behandlung wie üblich zeigen sich oft Vorteile. In den Studien mit Scheintraining und verblindeter Bewertung besserten sich dagegen beide Gruppen, ohne dass Neurofeedback besser abschnitt.
Erwachsene: Die Datenlage ist dünner. Die randomisierten Studien zeigen keinen belegten Vorteil gegenüber Kontrollbedingungen, und die deutsche Leitlinie stuft die Qualität der Evidenz für Erwachsene als niedrig ein. Auch die Auswertung von 2025 kam zu keinem anderen Bild, wenn Erwachsene ausgeschlossen wurden, es gibt also keinen Hinweis, dass Erwachsene stärker profitieren.
Was sagen die Leitlinien?
Fachgesellschaften bewerten Neurofeedback zurückhaltend:
- Deutsche S3-Leitlinie (AWMF, Version 2.0, 2026): Neurofeedback kann bei Kindern über sechs Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen im Rahmen eines Behandlungsplans ergänzend eingesetzt werden, wenn dadurch eine wirkungsvollere Therapie nicht verzögert oder verhindert wird (offene Empfehlung). Vorausgesetzt werden gut untersuchte Standardprotokolle (Theta-Beta-Verhältnis, sensomotorischer Rhythmus oder langsame kortikale Potenziale), Übungen zum Übertragen in den Alltag und mindestens 25 bis 30 Sitzungen mit regelmässiger Überprüfung, ob die Fortsetzung gerechtfertigt ist. Individuell zusammengestellte Protokolle auf Basis eines quantitativen EEG sollen nicht verwendet werden. Die Leitlinie hält fest, dass Methylphenidat die Kernsymptome im Allgemeinen deutlich stärker verbessert als Neurofeedback und dass unspezifische Effekte zu einem grossen Teil zu den positiven Ergebnissen beitragen könnten.
- NICE (England, NG87): Neurofeedback kommt in den Behandlungsempfehlungen nicht vor.
- Europäischer Konsensus zu ADHS bei Erwachsenen (2019): Er nennt Psychoedukation als ersten Schritt, Stimulanzien als Mittel der ersten Wahl und Verhaltenstherapie als Ergänzung zur Medikation. Neurofeedback gehört nicht zu den darin genannten Behandlungen.
Warum gehen die Meinungen auseinander?
Ein Grund ist, dass sich Erwartung und tatsächliche Wirkung schwer trennen lassen. Dazu kommen weitere Kritikpunkte, die auch Du kennen solltest:
- Erwartungs- und Placeboeffekte: Ein aufwendiges Training mit Technik kann Hoffnung wecken und die Wahrnehmung beeinflussen. In den beiden doppelblinden Studien mit Scheintraining besserten sich auch die Kinder der Kontrollgruppe deutlich.
- Uneinheitliche Protokolle: Es gibt viele Verfahren und Trainingspläne, deren Wirksamkeit unterschiedlich untersucht ist.
- Unterschiedliche Qualität der Anbieter: Wie sorgfältig Diagnostik, Training und Erfolgskontrolle erfolgen, kann stark variieren.
- Zeit- und Kostenaufwand: Neurofeedback braucht regelmässige Termine über längere Zeit, die deutsche Leitlinie nennt mindestens 25 bis 30 Sitzungen. Die Kosten fallen pro Sitzung an und summieren sich entsprechend. In einer Meta-Analyse mit Kindern schnitten Trainings mit einer Gesamtdauer von mehr als 1260 Minuten bei Hemmungskontrolle und Arbeitsgedächtnis besser ab als kürzere. Das beruht auf einem Vergleich von Teilgruppen aus Studien, von denen nur fünf von 17 verblindete Beurteilende hatten.
- Nicht für alle geeignet: Wer Mühe hat, über längere Zeit regelmässig teilzunehmen, profitiert möglicherweise weniger.
- Risiken und Grenzen: In den kontrollierten Studien, die darüber berichten, traten bei Erwachsenen keine behandlungsbedingten unerwünschten Ereignisse auf, bei Kindern waren sie zwischen Neurofeedback und Kontrolle gleich verteilt. Eine praktische Grenze ist, dass Zeit und Geld gebunden werden und eine besser belegte Behandlung dadurch nicht verzögert werden sollte.
Aus der Praxis
Wenn Patientinnen und Patienten nach Neurofeedback fragen, hören wir zuerst zu, was sie sich davon erhoffen. Oft ist es der Wunsch nach einem Weg ohne Medikamente. Wir ordnen dann ehrlich ein, dass die strengsten Auswertungen zurückhaltend ausfallen und Neurofeedback keine etablierte Standardbehandlung ist.
Häufig unterschätzt wird der Aufwand an Terminen und Kosten, und dass Erwartung das Erleben beeinflussen kann. Wichtig ist uns, dass nichts abgesetzt wird, ohne es ärztlich zu besprechen. Wer es ausprobieren möchte, legt vorher Ziele fest und schaut später gemeinsam mit uns, ob sich im Alltag etwas verändert hat.
Für wen kann Neurofeedback trotzdem eine Option sein?
Neurofeedback kann eine Option sein, wenn Du es als Ergänzung zu einer bestehenden Behandlung ausprobieren möchtest. Entscheide das gemeinsam mit Deinem Behandlungsteam, am besten mit klaren Zielen und einem festen Zeitpunkt, an dem Ihr Bilanz zieht. Typische Voraussetzungen:
- Du hast Dich bewusst für ein Training entschieden und bist bereit, regelmässig teilzunehmen.
- Du führst Psychoedukation, Verhaltenstherapie oder Alltagsstrategien weiter, statt sie zu ersetzen.
- Du hast realistische Erwartungen und weisst, dass der Nutzen nicht gesichert ist.
- Du verzögerst dadurch keine wirksamere Behandlung.
Wenn Du Medikamente nicht nehmen möchtest, gibt es besser belegte Wege. Mehr dazu im Beitrag ADHS ohne Medikamente behandeln. Wie Medikamente wirken und welche Fragen dazugehören, erfährst Du im Beitrag zu ADHS-Medikamenten. Für Stimulanzien lagen die Effektstärken bei Erwachsenen in einer Netzwerk-Meta-Analyse bei 0.49 (Methylphenidat) und 0.79 (Amphetamine), eine Schweizer Übersicht nennt für Lisdexamfetamin 0.86. Die Werte stammen aus anderen Studienarten und sind nur grob mit den Neurofeedback-Zahlen vergleichbar. Dass Neurofeedback Medikamente ersetzen kann, lässt sich aus den verblindeten Studien nicht ableiten.
Worauf achtest Du bei Anbietern und Kosten?
Achte auf eine nachvollziehbare Ausbildung, eine saubere Abklärung vor Beginn und eine ehrliche Aufklärung über den Stand der Forschung. Das hilft bei der Auswahl:
- Frage nach Ausbildung und konkreter Erfahrung mit ADHS, bei Erwachsenen oder bei Kindern.
- Lass Dir vor Beginn eine Diagnostik und eine klare Zielsetzung erklären.
- Frage, nach welchem Protokoll trainiert wird. Die Leitlinie nennt Theta-Beta-Training, Training des sensomotorischen Rhythmus und Training langsamer kortikaler Potenziale als gut untersuchte Standardprotokolle. Individuell zusammengestellte Protokolle sind weniger gut belegt.
- Frage, ob Übungen zum Übertragen in den Alltag dazugehören und ob regelmässig überprüft wird, ob die Fortsetzung sinnvoll ist.
- Verlange eine schriftliche Übersicht über Kosten, Anzahl der Sitzungen und Absagebedingungen.
- Sei vorsichtig bei Heilsversprechen oder wenn Dir geraten wird, Medikamente oder eine Therapie zu beenden.
- Vereinbare, woran Ihr nach einer festgelegten Zahl von Sitzungen messt, ob es Dir hilft.
Die Grundversicherung vergütet Psychotherapie bei Krankheit, wenn sie ärztlich angeordnet wird. Für Neurofeedback als eigenständiges Verfahren ist nach unserem Kenntnisstand keine Kostenübernahme durch die Grundversicherung vorgesehen. Frage deshalb vor Beginn bei Deiner Krankenkasse und Zusatzversicherung nach und kläre die Kosten schriftlich.
Wann ist ärztliche Abklärung sinnvoll?

Eine Abklärung ist sinnvoll, wenn Du Dir nicht sicher bist, ob hinter Konzentrationsproblemen und Unruhe wirklich ADHS steckt, oder wenn Dich Beschwerden wie Niedergeschlagenheit, Ängste oder Schlafprobleme stark belasten. Neurofeedback sollte eine Diagnose nie ersetzen. In akuten Krisen oder bei Suizidgedanken wende Dich sofort an die Notfallnummer 144 oder rufe die Dargebotene Hand unter 143 an. Auch Dein Hausarzt oder Deine Hausärztin ist eine gute erste Anlaufstelle.
Häufige Fragen zu Neurofeedback bei ADHS
Ist Neurofeedback so wirksam wie Methylphenidat?
Das ist nicht belegt. Eine Auswertung von 38 Studien fand bei verblindeter Bewertung kaum einen Effekt von Neurofeedback. Für Stimulanzien beschreibt die Studienlage deutlich grössere Effekte, und die deutsche Leitlinie hält fest, dass Methylphenidat die Kernsymptome im Allgemeinen stärker verbessert als Neurofeedback. Ob Medikamente für Dich sinnvoll sind, besprichst Du mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt. Setze sie nie eigenständig ab.
Wie viele Sitzungen sind nötig?
Das lässt sich nicht pauschal sagen. Die deutsche Leitlinie nennt für den Fall, dass Neurofeedback eingesetzt wird, mindestens 25 bis 30 Sitzungen mit regelmässiger Überprüfung, ob eine Fortsetzung gerechtfertigt ist. In einer Meta-Analyse mit Kindern waren Trainings mit mehr als 1260 Minuten Gesamtdauer bei Hemmungskontrolle und Arbeitsgedächtnis wirksamer als kürzere. Plane deshalb Zeit über längere Zeit ein und lass Dir die geplante Zahl der Sitzungen sowie die Kontrollpunkte vorher erklären.
Ist Neurofeedback für Erwachsene mit ADHS geeignet?
Für Erwachsene ist die Datenlage dünner als für Kinder. Die grosse Auswertung von 2025 umfasste Teilnehmende bis 40 Jahre und fand insgesamt keinen bedeutsamen Nutzen auf Gruppenebene, auch nicht ohne die Erwachsenen. Eine systematische Übersicht von 2026 fand für Erwachsene nur drei randomisierte Studien mit kleinen, meist nicht signifikanten Effekten gegenüber den Kontrollen. Die deutsche Leitlinie stuft die Evidenzqualität für Erwachsene als niedrig ein. Wenn Du es trotzdem ausprobieren willst, sprich mit Deinem Behandlungsteam und vereinbare klare Ziele.
Warum zeigen manche Studien Erfolge und andere nicht?
Entscheidend ist oft, wer die Wirkung beurteilt. Eltern oder Betroffene, die wissen, dass trainiert wurde, bewerten Verbesserungen häufiger positiv als Personen, die nicht wissen, wer trainiert hat. Die Auswertungen unterscheiden sich auch darin, welche Studien eingeschlossen wurden. Auch die Art der Kontrollgruppe spielt eine Rolle: Gegenüber einer Warteliste schneidet Neurofeedback oft besser ab, gegenüber einem Scheintraining in der Regel nicht. Deshalb kommen Übersichtsarbeiten zu unterschiedlichen Schlüssen.
Fazit: Neugierig bleiben, realistisch bleiben
Neurofeedback ist ein spannendes, aber bei ADHS umstrittenes Verfahren. Die strengsten Studien zeigen keinen spezifischen Nutzen über ein Scheintraining hinaus, die deutsche Leitlinie lässt es als ergänzende Option offen. Für ADHS sind Psychoedukation, Psychotherapie und bei Bedarf Medikamente besser belegt, mehr dazu im Beitrag zur multimodalen Therapie. Wenn Du Dir Unterstützung bei der Einordnung wünschst, steht Dir bei klaro ADHS das kostenlose Erstgespräch mit unserem Beratungsteam offen, in Zürich und Biel, geeignete Termine auch per Video. Abklärung und Therapie erfolgen durch Fachärztinnen und Fachärzte und werden bei entsprechender Anordnung über die Grundversicherung abgerechnet. Mehr dazu findest Du bei unserer ADHS-Therapie.
Quellen
- Westwood, S. J. et al. (2025). Neurofeedback for attention-deficit/hyperactivity disorder: a systematic review and meta-analysis. JAMA Psychiatry, 82(2), 118-129. doi.org
- Cortese, S. et al. (2016). Neurofeedback for attention-deficit/hyperactivity disorder: meta-analysis of clinical and neuropsychological outcomes from randomized controlled trials. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry, 55(6), 444-455. sciencedirect.com
- Sonuga-Barke, E. J. S. et al. (2013). Nonpharmacological interventions for ADHD: systematic review and meta-analyses of randomized controlled trials of dietary and psychological treatments. American Journal of Psychiatry, 170, 275-289. doi.org
- Van Doren, J. et al. (2019). Sustained effects of neurofeedback in ADHD: a systematic review and meta-analysis. European Child & Adolescent Psychiatry, 28(3), 293-305. link.springer.com
- Zhong, X. et al. (2025). Neurofeedback training for executive function in ADHD children: a systematic review and meta-analysis. Scientific Reports, 15, 28148. nature.com
- Neurofeedback Collaborative Group (2021). Double-blind placebo-controlled randomized clinical trial of neurofeedback for attention-deficit/hyperactivity disorder with 13-month follow-up. Journal of the American Academy of Child & Adolescent Psychiatry, 60(7), 841-855. doi.org
- Wang, Y. et al. (2026). A double-blind randomized controlled trial of personalized upper-alpha neurofeedback in children with ADHD. Journal of Child Psychology and Psychiatry. doi.org
- Fan, H.-Y. et al. (2022). A pilot meta-analysis on self-reported efficacy of neurofeedback for adolescents and adults with ADHD. Scientific Reports, 12, 9958. doi.org
- Rotkiewicz, M. et al. (2026). Effects of EEG neurofeedback in adults with attention-deficit/hyperactivity disorder: a systematic review of randomised and non-randomised studies. Journal of Neurodevelopmental Disorders, 18(1). doi.org
- Cortese, S. et al. (2018). Comparative efficacy and tolerability of medications for attention-deficit hyperactivity disorder in children, adolescents, and adults: a systematic review and network meta-analysis. The Lancet Psychiatry, 5(9), 727-738. doi.org
- AWMF (2026). Interdisziplinäre evidenz- und konsensbasierte S3-Leitlinie Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) im Kindes-, Jugend- und Erwachsenenalter, Version 2.0, AWMF-Register-Nr. 028-045. register.awmf.org
- National Institute for Health and Care Excellence (2018, zuletzt aktualisiert 2019). Attention deficit hyperactivity disorder: diagnosis and management (NG87). nice.org.uk
- Kooij, J. J. S. et al. (2019). Updated European Consensus Statement on diagnosis and treatment of adult ADHD. European Psychiatry, 56, 14-34. doi.org
- Schneider, M. & Folmert, A. (2023). Pharmakotherapie und Psychotherapie der ADHS im Erwachsenenalter. Psychiatrie + Neurologie, 1/2023. rosenfluh.ch
- Bundesamt für Gesundheit (BAG). Neuregelung der psychologischen Psychotherapie ab 1. Juli 2022. bag.admin.ch