Vitamine, Magnesium, Zink, Omega-3: Immer wieder liest man, dass bestimmte Präparate bei ADHS helfen sollen. Vielleicht fragst Du Dich, ob Du etwas ergänzen solltest, oder ob das vor allem gut vermarktete Produkte sind. Dieser Ratgeber zeigt, was die Forschung zu Nahrungsergänzung bei ADHS sagt, wann eine Ergänzung sinnvoll sein kann und worauf Du achten solltest.
Kurz erklärt: Menschen mit ADHS brauchen nicht automatisch Nahrungsergänzungsmittel. Studien fanden bei Kindern mit ADHS im Durchschnitt niedrigere Werte etwa für Eisen (Ferritin) und Vitamin D, doch das beweist keinen Nutzen einer Einnahme. Sinnvoll ist eine Ergänzung vor allem bei einem nachgewiesenen Mangel, nach Abklärung durch Fachpersonen. Präparate ersetzen weder Behandlung noch Medikamente.
Brauchen Menschen mit ADHS zusätzliche Nährstoffe?
Nicht grundsätzlich, entscheidend ist, ob bei Dir tatsächlich ein Mangel vorliegt. Eine ausgewogene Ernährung ist die Grundlage, mehr dazu im Beitrag Ernährung bei ADHS. Ein Mangel an bestimmten Stoffen kann sich unspezifisch zeigen, etwa durch Müdigkeit, Reizbarkeit oder Konzentrationsprobleme. Das sind aber auch typische ADHS-Beschwerden, deshalb lässt sich ein Mangel nur über eine ärztliche Untersuchung und Blutwerte klären, nicht über Symptome.
Welche Nährstoffe werden bei ADHS untersucht?
Am häufigsten genannt werden Omega-3, Eisen, Vitamin D und Magnesium. Die Tabelle zeigt, was die von uns geprüften Übersichtsarbeiten zu diesen Stoffen sagen:
| Nährstoff | Was Studien zeigen | Einordnung |
|---|---|---|
| Omega-3-Fettsäuren | Niedrigere Blutwerte bei Kindern mit ADHS; Studien zur Einnahme widersprechen sich (Hawkey & Nigg, 2014; Händel et al., 2021; Liu et al., 2023) | uneinheitlich, kein Ersatz für Behandlung; mehr im Beitrag Omega-3 bei ADHS |
| Eisen (Ferritin) | Niedrigeres Ferritin bei Kindern mit ADHS, aber kein Unterschied beim Serumeisen (Wang et al., 2017) | Zusammenhang, Ursache offen; Wert ärztlich messen lassen |
| Vitamin D | Niedrigere Werte bei Kindern mit ADHS; die Autoren nennen den Zusammenhang gering und fraglich (Khoshbakht et al., 2018) | Beobachtungsstudien, kein Beleg für Nutzen einer Einnahme |
| Magnesium | Niedrigere Serumwerte bei ADHS, sehr unterschiedliche Studienergebnisse (Effatpanah et al., 2019) | Zusammenhang möglich, weitere Forschung nötig |
| Zink, B-Vitamine | In den von uns geprüften Quellen nicht ausreichend belegt | keine Aussage möglich |
Wichtig: Niedrigere Durchschnittswerte in Beobachtungsstudien zeigen einen Zusammenhang, aber nicht, dass ein Mangel ADHS verursacht oder dass eine Einnahme die Symptome verbessert. Das betonen auch die Autorinnen und Autoren der genannten Arbeiten, die weitere Studien für nötig halten.
Wann kann eine Ergänzung sinnvoll sein?

Dann, wenn ein Mangel nachgewiesen wurde oder ein klarer Grund vorliegt, den eine Fachperson bestätigt. Als Beispiele gelten:
- Ein Mangel zeigt sich im Blutbild: zum Beispiel bei Eisen, Vitamin D oder Magnesium. Lass die Werte bei Hausärztin oder Hausarzt bestimmen.
- Einseitige oder stark eingeschränkte Ernährung: zum Beispiel bei sehr restriktiven Diäten, wie sie im Beitrag Eliminationsdiäten bei ADHS beschrieben sind. Bei veganer Ernährung ist Vitamin B12 ein Thema, das Du mit einer Fachperson besprechen solltest.
- Wenig Appetit: Manche ADHS-Medikamente können den Appetit mindern. Dann hilft ein Gespräch mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt, siehe Appetitlosigkeit durch ADHS-Medikamente.
Eine Ergänzung nur auf Verdacht ist dagegen keine gute Idee. Nur das zu ergänzen, was wirklich fehlt, ist der sicherere Weg.
Was bringen Präparate bei ADHS laut Studienlage?
Bisher wenig Gesichertes. Am besten untersucht ist Omega-3, und selbst dort widersprechen sich die Meta-Analysen: Zwei fanden kleine Verbesserungen (Hawkey & Nigg, 2014; Chang et al., 2018), zwei keinen Effekt auf die Kernsymptome insgesamt (Händel et al., 2021; Liu et al., 2023). Händel und Kollegen schätzen die Sicherheit der Evidenz als niedrig bis sehr niedrig ein. Zu Multinährstoff-Präparaten, Zink oder B-Vitaminen haben wir keine Studie geprüft, die wir hier sicher einordnen könnten.
Wenn Du merkst, dass Du Stress oder Emotionen mit Essen regulierst, kann der Beitrag zum emotionalen Essverhalten bei ADHS helfen.
Aus der Praxis
In der Sprechstunde fragen wir zuerst, was Du bereits einnimmst und warum. Häufig steckt dahinter der Wunsch, selbst etwas beitragen zu können, und den nehmen wir ernst. Wichtig ist uns, Präparate nicht isoliert zu betrachten: Wir schauen, welche Medikamente Du nimmst, ob andere Erkrankungen vorliegen und wie Du Dich ernährst. Ob ein Mangel besteht, lässt sich nur über eine ärztliche Untersuchung und Blutwerte klären, nicht über Beschwerden, denn Müdigkeit oder Konzentrationsprobleme können viele Ursachen haben, auch ADHS selbst. Oft unterschätzt wird, dass auch frei erhältliche Präparate mit Medikamenten zusammenspielen können. Deshalb gehört die Frage danach in jedes Gespräch, und Entscheidungen treffen wir gemeinsam mit Dir.
Welche Risiken hat eine unkontrollierte Einnahme?

Auch natürliche Stoffe sind nicht automatisch harmlos. Mehr ist nicht besser, und manche Stoffe wie Eisen oder Vitamin D sollten nur bei nachgewiesenem Bedarf eingenommen werden. Präparate können sich ausserdem mit Medikamenten oder anderen Erkrankungen vertragen oder eben nicht. Das klärst Du vor der Einnahme mit Deiner Ärztin, Deinem Arzt oder in der Apotheke. Dasselbe gilt in der Schwangerschaft und bei Kindern. Diese Hinweise sind allgemeine Vorsichtsregeln, für ADHS-Präparate haben wir dazu keine eigene Studie geprüft.
Behandle Präparate nie als Ersatz für verordnete Medikamente. Wenn Du darüber nachdenkst, Medikamente zu reduzieren, sprich zuerst mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
Wann ist ärztliche Abklärung sinnvoll?
Immer dann, wenn Du anhaltend müde, erschöpft oder unkonzentriert bist, Dein Appetit stark nachlässt oder Du Präparate regelmässig einnehmen möchtest. Dann sollte eine Fachperson klären, ob ein Mangel, eine andere Erkrankung oder ADHS dahinterstecken könnte. Wenn Du glaubst, ADHS zu haben, ist die Abklärung wichtiger als ein Präparat.
Bei Suizidgedanken oder in einer akuten Krise suche sofort Hilfe: Wende Dich an Deine Hausärztin oder Deinen Hausarzt, rufe den Rettungsdienst unter 144 an oder wähle rund um die Uhr die Nummer 143 der Dargebotenen Hand.
Häufige Fragen zu Nahrungsergänzung bei ADHS
Welche Vitamine helfen bei ADHS?
Für kein Vitamin ist ein Nutzen bei ADHS sicher belegt. Studien fanden bei Kindern mit ADHS im Durchschnitt niedrigere Vitamin-D-Werte, aber die Autoren nennen den Zusammenhang gering und fraglich (Khoshbakht et al., 2018). Ob ein Mangel vorliegt, zeigt ein Bluttest. Nur dann ist eine Ergänzung sinnvoll.
Soll ich meinen Eisenwert prüfen lassen?
Das kann sinnvoll sein, wenn Du dauernd müde bist oder Eisenmangel vermutest. Eine Meta-Analyse fand bei Kindern mit ADHS niedrigere Ferritinwerte, aber keinen Unterschied beim Serumeisen (Wang et al., 2017). Lass den Wert ärztlich messen. Eisenpräparate solltest Du nicht auf Verdacht nehmen.
Kann ich Medikamente durch Nahrungsergänzung ersetzen?
Nein. Die Studienlage zu Präparaten ist uneinheitlich, am besten untersucht ist Omega-3 mit widersprüchlichen Ergebnissen (Händel et al., 2021; Liu et al., 2023). Medikamente setzt oder reduziert Du nie auf eigene Faust, sondern nur nach Rücksprache mit Deiner Ärztin oder Deinem Arzt.
Wo kaufe ich Präparate am besten?
Lass Dich in der Apotheke oder bei Deiner Hausärztin beziehungsweise Deinem Hausarzt beraten, besonders wenn Du Medikamente nimmst. Frag dort auch, welche Menge für Dich passt und ob ein Präparat nötig ist. Ob Deine Krankenkasse Kosten übernimmt, fragst Du am besten dort nach.
Fazit: Gezielt statt auf Verdacht
Nahrungsergänzung kann bei einem nachgewiesenen Mangel sinnvoll sein, bei ADHS selbst ist ihr Nutzen nicht gesichert. Lass Werte messen, bevor Du Präparate kaufst, und besprich sie mit einer Fachperson. Wenn Dich ADHS im Alltag stark belastet, kann eine Abklärung oder eine Therapie der nächste Schritt sein. Das Erstgespräch mit unserem Beratungsteam ist kostenlos, in Zürich, Biel oder online.
Quellen
- Wang, Y. et al. (2017). Iron status in attention-deficit/hyperactivity disorder: a systematic review and meta-analysis. PLOS ONE. plos.org
- Khoshbakht, Y., Bidaki, R. & Salehi-Abargouei, A. (2018). Vitamin D status and attention deficit hyperactivity disorder: a systematic review and meta-analysis of observational studies. Advances in Nutrition. sciencedirect.com
- Effatpanah, M. et al. (2019). Magnesium status and attention deficit hyperactivity disorder (ADHD): a meta-analysis. Psychiatry Research, 274, 228-234. sciencedirect.com
- Hawkey, E. & Nigg, J. T. (2014). Omega-3 fatty acid and ADHD: blood level analysis and meta-analytic extension of supplementation trials. Clinical Psychology Review. sciencedirect.com
- Chang, J. P.-C., Su, K.-P., Mondelli, V. & Pariante, C. M. (2018). Omega-3 polyunsaturated fatty acids in youths with attention deficit hyperactivity disorder: a systematic review and meta-analysis. Neuropsychopharmacology, 43(3), 534-545. nature.com
- Händel, M. N. et al. (2021). Efficacy and safety of polyunsaturated fatty acids supplementation in the treatment of ADHD in children and adolescents: a systematic review and meta-analysis of clinical trials. Nutrients, 13(4), 1226. mdpi.com
- Liu, T.-H. et al. (2023). Omega-3 polyunsaturated fatty acids for core symptoms of attention-deficit/hyperactivity disorder: a meta-analysis of randomized controlled trials. Journal of Clinical Psychiatry, 84(5), 22r14772. psychiatrist.com